Mensch – Maschine – Musik

Eine Kooperation zwischen der Universität Basel, der Paris‑Lodron‑Universität Salzburg und der Humboldt-Universität zu Berlin

In der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich zeitgenössische Komponisten zum ersten Mal mit dem Pianola – einem selbstspielenden Klavier, das 1897 erstmals auf den Markt kam. In diesen anfänglichen Experimenten mit jenem (neuen) ‚Musikautomaten‘ erkennt die Musikforschung gemeinhin den Vorboten einer allgemeinen Faszination am Mechanischen, die in Musik, Tanz und Theater merklich erst in den 1920er Jahren in Erscheinung tritt. Doch auch jenseits der 1920er Jahre beschäftigten sich KomponistInnen mit neuen Technologien: Seit der ersten industriellen Revolution im 18. Jahrhundert haben Technik, Mechanik oder Industrie ihre Werke immer wieder beeinflusst, und auch heute setzen sich MusikerInnen, ChoreografInnen und Theaterschaffende mit neuesten Technologien wie Virtual Reality oder Themen wie Artificial Intelligence auseinander. Zusammenhängend dargestellt wurde dies allerdings noch nie.

Das vorliegende Forschungsvorhaben hat deshalb zum Ziel, das Phänomen des Musikautomaten (oder der Musikmaschine) bzw. der Automaten- (oder Maschinen-)Musik in Konzert- und Bühnenwerken vom ausgehenden 18. bis ins 21. Jahrhundert detailliert und systematisch zu untersuchen – und zwar auf zweierlei Weise:
Zum einen soll anhand der überlieferten Quellen zu Werk und KomponistInnen ein Überblick darüber geschaffen werden, welchen Einfluss die industriellen Revolutionen auf die Musik(-kultur) – auch in Verbindung mit Tanz, Theater und Film – hatten. Ausgehend von den 1920er Jahren, in denen sich eine Interdependenz von Technisierung und Kunstschaffen in besonderem Maße zu manifestieren scheint, soll anhand von Fallbeispielen herausgearbeitet werden, inwiefern KomponistInnen auf die gesellschaftlichen Umwälzungen reagierten und diese in ihrem künstlerischen Schaffen reflektierten. Dabei steht es außer Frage, dass jedes der ausgewählten Werke in (s)einem je verschiedenen historischen Kontext verstanden werden muss und eine generalisierbare Aussage in Bezug auf eine Interdependenz zwischen (auch digitalen) industriellen Revolutionen und Musikkultur nicht möglich sein wird. Vielmehr sollen die ausgewählten Werke als Gegenstand diachroner Schnitte betrachtet werden, um eine Aussage darüber zu treffen, in welchem Verhältnis die KünstlerInnen zu den neuen Technologien und gesellschaftlichen Veränderungen jeweils stehen und in welcher Weise die wechselseitigen Beziehungen zwischen Industrialisierung und Werk analytisch fruchtbar gemacht werden können.
Zum anderen sollen Forschungsarbeit und -ergebnisse in einem thematisch korrespondierenden Kulturprogramm (auch) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und sinnlich erfahrbar gemacht werden. Nicht zuletzt soll gemeinsam mit PartnerInnen aus der künstlerischen Praxis ein Blick in die Zukunft gewagt und in unterschiedlichen Formaten darüber reflektiert werden, inwiefern WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und Kulturschaffende durch den Umgang mit neuen (digitalen) Technologien (unsere) Zukunft (mit‑)gestalten bzw. (mit‑)gestalten können.

Das Projekt ist eine Kooperation des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel mit der Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft der Paris-Lodron-Universität Salzburg sowie dem Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

Projektleitung

Leila Profilbild

Dr. des. Leila Zickgraf
Petersgraben 29
4051 Basel